Master
Hochschule Mainz, Master Kommunikation im Raum

Master-Studiengang Kommunikation im Raum

Hochschule Mainz

Das 3-semestrige Vollzeitstudium Kommunikation im Raum M.A. richtet sich an Absolventen eines Bachelor- oder Diplomstudiums der Fachrichtungen Innenarchitektur, Architektur und Design, die ihre Kompetenzen themenspezifisch erweitern möchten. Kernthema der fachübergreifenden Entwurfs- und Realisierungsaufgaben ist eine experimentelle Auseinandersetzung mit dem architektonischen Raum als Kommunikationsmedium. In kleinen Semestern werden die Studierenden von unserem interdisziplinären Lehrteam optimal gefördert. Der Mastergrad berechtigt nach zweijähriger Berufspraxis zum Kammereintrag als Innenarchitekt/in. Bewirb dich jetzt!

Bachelor

Entwurf Raum – Tunnelflieger

Betreut von

Prof. Benrd Benninghoff
Prof. Markus Pretnar

Semester

Sommersemester 2018

Fotografie

Martina Pipprich

Studierende

Masterstudiengang Wintersemester 2015/16

Interaktion und technische Begleitung

Prof. Holger Reckter
Benjamin Knichel B.A.

Realisierung und Bauleitung

Dipl.-Ing. Mathias Ewald
Marc Metzler B.A.

Hochschule Mainz Master Entwurf Kommunikation im Raum Tunnelflieger

Der »Tunnelflieger« segelt endlich – Der Weg zu den OP-Sälen der Universitätsmedizin wurde neu gestaltet.

Eine wiederkehrende Situation der letzten beiden Jahre: Ich bin genervt und ich bin enttäuscht, die gleichen Empfindungen lese ich in den Gesichtern meiner Gesprächspartner hier unten im Tunnel der Universitätsmedizin.

Aber im Moment ist das nebensächlich, denn am Ende des rund 150m langen unterirdischen Verbindungs- und Versorgungsganges biegt ein Gespann um die Ecke, dass uns zum wiederholten Male verstummen lässt und die Diskussionen um den zähen Baufortschritt und allgegenwärtige technsiche Widrigkeiten auf einmal ziemlich kleinlich wirken lassen. Dieses Gespann besteht aus einem Krankenbett mit einem kleinen Jungen, vielleicht acht Jahre alt, zweier begleitender Krankenschwestern die das Bett durch den Gang schieben flankiert von einer besorgten Mutter, die ihren Blick nicht von ihrem Kind lässt. Noch ist der größte Teil des Ganges ein Musterbeispiel eines Angstraumes: Ein langer, schmuckloser Versorgungsgang mit überkopf installierten Rohren, Elektroleitungen und einer scheppernden Rohrpostanlage. Grell in kaltem Leuststoffröhrenlicht ausgeleuchtet und ohne jedwede positive Anmutung. Als ob die Atmosphäre dieses Ganges nicht schon deprimierend genug wäre schlängeln sich zusätzlich noch laut ratternde Elektrowagen mit Essenscontainern oder schmutziger Bettwäsche durch den Gang. Es rattert und riecht. Und still werden wir, weil jedes Kind, das an der Mainzer Universitätsmedizin operiert wird, auf dem Weg vom Bettenhaus zu den OP-Sälen kurz vor der Operation durch diesen Gang gefahren werden muss. Es braucht nicht viel Phantasie um nachvollziehen zu können, dass diese Sitaution alles andere als förderlich ist.

Hochschule Mainz Master Entwurf Kommunikation im Raum Tunnelflieger

Und so macht es wieder ›klick‹ und mir wird klar warum wir uns das alles hier vorgenommen haben. Ein Blick auf das Gespann und die Relationen stimmen wieder. Der lange Prozess des Entwickelns, Testens und Bauens ist nun abgeschlossen, am 15. Mai wurde der »Tunnelflieger« offiziell eröffnet und nicht nur wir, alle Beteiligte sind mehr als glücklich mit dem Ergebnis. Gestartet sind wir im Wintersemester 2015/16 als Studienprojekt im Masterstudiengang KOMMUNIKATION IM RAUM. mit dem festen Vorhaben, die Situation der kleinen Patienten im unterirdischen Versorgungsgang der Universitätsklinik zu verbessern. Ob uns eine Realisierung des Konzepts »Tunnelflieger« wirklich gelingen würde, war zum damaligen Zeitpunkt noch nicht absehbar. Aus einem anfänglich studentischen Projekt ist, Dank des Durchhaltevermögens und der tatkräftigen Unterstützung aller Beteiligten, inzwischen eine realisierte Rauminstallation geworden. Rund drei Jahre nach unserem ersten Probeaufbau bei der Rheinland-Pfalz Ausstellung tut es gut zu sehen, dass die Idee des Tunnelfliegers nun Wirklichkeit geworden ist. Schon während der Bauarbeiten im Tunnel war zu erleben, dass die kleinen Patienten und ihre Begleiter die neue Installation intensiv erleben und der unterirdische Transport – gemeinsam mit dem Tunnelflieger - für sie zu einem positiven Erlebnis wird. Die Umsetzung einer gestalterischen Konzeption stellt in vielerlei Hinsicht eine Besonderheit des Studienganges KOMMUNIKATION IM RAUM dar. Die vielfältigen Abhängig- und Unwägbarkeiten im gestalterischen Prozess lassen sich nur erfahren, wenn die Schritte vom Papier zur Werkbank zur Montage bis zur endgültigen Abnahme von den Studierenden auch durchlaufen werden.

Hochschule Mainz Master Entwurf Kommunikation im Raum Tunnelflieger

Dass die Idee, der eigene Entwurf nur im Abgleich mit den weiteren Projektbeteiligten, Entscheidern, Kunden, Handwerkern und Lieferanten entstehen kann und nie auf eine abstrakte Planungsleistung reduziert werden darf ist ein wichtiger Aspekt des Masterstudiums. Oftmals sind es die eigenen Werkstücke, Prototypen, 1 zu 1 Aufbauten, die diese Erkenntnisse bestätigen und unsere Masterstudierenden zu echten Teamplayern im gestalterischen Umfeld werden lassen. Eine Besonderheit stellen hier die sogenannten Realisierungsprojekte dar. Projekte also, in denen es uns möglich ist einen Entwurf unter realen Bedingungen im Rahmen des Masterstudiums zu bearbeitenund dessen Umsetzung bis zur Fertigstellung zu begleiten. Der »Tunnelflieger« ist ein hervorragendes Beispiel für ein solches Realisierungsprojekt, denn es zeigt auf in welcher Tiefe und Interdisziplinarität an unserem Studiengang im Themenfeld der erzählenden Räume an innovativen Ansätzen geforscht, an Umsetzungslösungen gearbeitet und vor allem auch realisiert werden kann wenn die Rahmenbedingungen, wie in diesem Projekt, stimmen.

Nicht zuletzt durch die Zusammenarbeit mit den Produzenten der Bauteile, den Zulieferern und Monteuren erwächst schon im Studium ein Erfahrungsschatz im respektvollen Umgang miteinander über den mache Berufsanfänger erst Jahre später verfügen. Der wichtigste und tatsächlich einzigartige Aspekt des »Tunnelfliegers« liegt auf einer weiteren Ebene der Gestaltung: Das Projekt bezieht positiv Stellung im emotional überaus schwierigen Umfeld von Krankheit
und schweren Lebenssituationen. Insbesondere wenn es sich um erkrankte Kinder handelt. Der »Tunnelflieger« verbessert eine schwierige Situation auf räumlicher wie atmosphärischer Ebene und erweitert damit den Begriff des gestalteten Raums um einen überaus wichtigen und vor allem intuitiv erfahrbaren emotionalen Aspekt.

Hochschule Mainz Master Entwurf Kommunikation im Raum Tunnelflieger
Hochschule Mainz Master Entwurf Kommunikation im Raum Tunnelflieger

In diesem Projekt wird überaus deutlich, dass Gestaltung immer sozial relevant ist, Räume immer kommunizieren und rein formale Verbesserungen nicht das Ende der gestalterischen Auseinandersetzung sein können. Um dauerhaft Erfüllung und Bestätigung im Berufsleben zu erfahren braucht es beileibe nicht nur die Anerkennung von außen als insbesondere die Erkenntnis, dass man als Gestalter das Glück hat sich ein Berufsleben lang weiter entwickeln zu können. Es ist die Erkenntnis, dass Veränderung das Wesen der Gestaltung ist und nicht eine formelhafte Weiderholung bereits eingeübter Lösungsansätze. Der Tunnelflieger ist nicht nur ein Beleg für den sozialen Wert von Gestaltung. Es macht uns als Gestalter auch glücklicher, durch unsere Arbeit etwas wirklich Gutes auf den Weg gebracht zu haben. Das Projekt wurde großzügig durch das Minsiterium für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur des Landes Rheinland- Pfalz unterstützt und während er gesamten Planungs- und Bauzeit durch den gemeinnützigen Verein »Sterntaler e.V.« begleitet und ebenfalls durch Weitergabe von Spenden finanziell unterstützt. Die Universitätsmedizin ist durch Prof. Oliver Muensterer, Leiter der Kinderchirurgie, als Hausherr und Initiator vertreten.

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